Nachmittags

In der Welt um mich herum herrscht ein einzigartiges Chaos. Jeden Augenblick verändert sich dessen Qualität, und ich bin dem schutzlos ausgeliefert. Etwa 20.000 Mal am Tag freue oder ärgere ich mich, bin enttäuscht, verängstigt oder wütend. Ich liebe und hasse nur Sekunden später, dann wiederum werde ich so müde, dass ich wie betäubt wahrnehme und mir alles gleichgültig wird.

Das Chaos um mich herum nimmt keine Rücksicht. Donnernd fährt der Bus vorbei, nervöse Autofahrer hupen die empörten Fußgänger an. Ein Mann brüllt ihnen ein Schimpfwort hinterher, irgendwo weint ein Kleinkind. Für die Welt bin ich genauso wenig geeignet, wie die Frau mittleren Alters, die sich Plastikblumen ins Haar gesteckt hat und vorsichtig langsam auf Plateauschuhen beeindruckender Höhe die Straße überquert.

Ich bin aus der Welt gefallen, wie ich so da sitze in diesem Italiener neben dem Aldi, mitten in einen hitzigen Frühsommertag, vor mir der schwarze Espresso, an den ich mich erinnern werde, wenn ich heute Nacht nicht schlafen kann.

Der Moment ist so vollkommen, dass er aus der Werbung stammen könnte. Für einen kurzen Augenblick kommt kein Auto vorbei, mein Gehirn blendet die lauten Geräusche hastender Menschen aus und ersetzt sie durch einen lange schon vergessenen Song.

Der Chaosprinz kommt aus dem Aldi gestürmt.

“Komm mit, Mama!“

Das Chaos um mich herum ist perfekt.

 

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