Eigentlich

Eigentlich schreibe ich täglich. Ich bin eine Morgenseiten-schreiberin, führe Tagebuch, schreibe bei Facebook meine Gedanken auf, ungeachtet dessen, dass sie meist unverstanden bleiben, führe ein Glückstagebuch, ohne dabei glücklich geworden zu sein, und manchmal, viel zu selten, bemühe ich den Blog.

Ich schreibe. Manchmal offen wie ein aufgeschlagenes Buch, manchmal fest verschlossen mit sieben Siegeln, immer dann, wenn ich zwar schreiben muss, aber nicht gelesen werden möchte.

Ich habe genau genommen nie etwas Anderes getan. Denn, selbst wenn ich nicht schreibe, formuliert mein Kopf unaufhörlich Sätze. Die meisten vergesse ich sofort wieder, in manche verliebe ich mich, die sind dann für die Ewigkeit.

Ich schreibe nicht mehr für Andere. Zumindest bemühe ich mich, es nicht zu tun. Es ergibt wenig Sinn, für Andere schreiben zu wollen, wenn man nicht dem Gespür dafür folgt, was Andere lesen möchten. Ich schreibe nicht für Andere, aber ich schreibe nicht für Niemanden.

Vielleicht sollte ich mich wieder dem Blog anvertrauen. Dieser gesicherten Anonymität des weltweiten Netzes, die mir erlaubt, ehrlich zu sein, auch und vor allem mit mir selbst.

Ich bewundere Menschen, die etwas Anderes zum Thema machen, aber in Wahrheit schreiben wir doch alle über uns selbst. Und wenn wir es noch so gut hinter einer erdachten Geschichte verstecken.

Ich schreibe über mich selbst. Über den Chaosprinzen und meinen Hund. Über die seltsame Herde, in der ich mich bewege.

Ich habe keine Leser. Ich schreibe einfach.

Irgendwann wird es Jemand lesen, der so ähnlich ist wie ich. Der sich unverstanden fühlt, weil er sich hinter komplizierter Semantik versteckt.

Und das, genau das ist es wert.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Eigentlich

  1. Herr Schneck hat es schon trefflich formuliert…. und ich gehöre zu den Lesern, die immerzu höchst angetan von Ihrem Schreiben sind. Liebe Grüße

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    • Danke sehr! Gerade von Menschen, die ich selbst so sehr für ihre Authentizität im Schreiben, aber auch im Leben bewundere, gelten diese Worte für mich unendlich. Magische Momente von Kairos höchst persönlich!

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  2. Diese Kompliment aus Ihrer Feder lege ich mir wie einen Mantel um und trage es durch mein Leben wie einen Pelz. Ich danke sehr.
    Was das Schreiben angeht, so können wir wohl auch alle nicht anders. Es ist ein Fließen, selbst dann noch, wenn alles andere stillsteht.

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  3. Man schreibt halt. Und das ist auch gut so. Alles andere ist natürlich auch gut so, aber immer natürlich besser, man schreibt es irgendwo auf, insbesondere, wenn man schreiben kann, so wie Sie.

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