Sprechblasen

Ein kurzer Sommerregen, dann ist es wieder warm. Ein Schauer nur, der die Welt verdunkelt und die Luft abkühlt, einmal alles bereinigt, um dann wieder neu Anlauf zu nehmen. Die Wolken ziehen vorüber und geben die Sonne wieder frei. Und so geht es weiter in einem Stillleben mit Sprechblasen: was machst du, ich mache nichts, lass uns etwas zusammen machen, in Ordnung, aber was wollen wir machen? Keine Ahnung. Und so machen wir zusammen nichts.

Ich werde vergesslich für alles, was in der nahen Vergangenheit liegt. Welchen Tag haben wir heute, was ist auf dem Kalender für ein Jahr angegeben und weshalb werde ich in allem, was ich tue, immer langsamer? Was vierzig und mehr Jahre zurückliegt, taucht dafür plötzlich und ungefragt auf, eine Erinnerung zieht die nächste nach sich, aus Assoziationsketten gebildete Sequenzen, die zusammenhanglos zeigen, woher ich komme und wie ich zu der wurde, die ich heute bin. Was war, ist ein Teil von mir und bleibt bis zum Schluss, die Vergangenheit verlässt mich nicht, sie bleibt hartnäckig und richtet mich in meinem Leben und Handeln aus.

Dabei wäre es so einfach, würde ich noch an irgend etwas glauben. Zum Beispiel daran, dass es Ideen gibt, für die es sich gemeinsam zu kämpfen lohnt. Aber alles, was ich tue, mache ich wie zum ersten Mal. Verwundert beobachte ich mich dabei, meine Routine in den einzelnen Handgriffen, zwei links, zwei rechts, eine abheben. Als könnte ich nicht zugeben, dass ich in Wahrheit keine Ahnung habe. Sonnenstrahlen, auf denen der Hausstaub sein Lied spielt. Und überall nur Sprechblasen. Wie sie entstehen, wie sie zerplatzen und neue entstehen, um zu zerplatzen. Eine Ansammlung von belanglosen Alltäglichkeiten in den immergleichen Worten. In jedem Haushalt in jeder Generation. Das alles hat es lange vor mir schon gegeben, daran wird sich auch nichts ändern. Aber für mich ist heute trotzdem alles neu.

2 Kommentare

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2 Antworten zu “Sprechblasen

  1. Ganzjahresapril trifft es ganz gut, denke ich. Danke für den Begriff.

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  2. Es liest sich seltsam. Es lässt mich an das Vergehen allen Wissens denken. Aber nicht doch. Es wäre viel zu früh!
    Am Anfang des Textes dachte ich an das, was ich inzwischen „Ganzjahresapril“ nenne…
    Gruß von Sonja

    Gefällt 1 Person

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