Ohne Titel

Die Tage des Jahres, die man getrost in die Tonne treten könnte, ohne sie jemals zu vermissen, häufen sich ab November bedenklich.

Seit Wochen verlasse ich nicht das Haus, ja nicht einmal mehr das Bett. Ich stecke ein, ich gebe her, ich versuche, da zu sein. Irgendwann reicht es dann aber auch. Dann brauche ich Aufmerksamkeit, und sei es vom Kater, aber der kommt auch nur, weil er gestreichelt werden will.

Ich bin es einfach leid.

Die Schmerzen machen mich wahnsinnig. Die Painkiller lassen mich Tag und Nacht verdösen, immer so knapp unterm Schlaf, aber eben auch nicht wach. Ich werde nichts und niemandem mehr gerecht, schon gar nicht dem Chaosprinzen, der alles Weihnachtliche mit der Selbstverständlichkeit eines Kindes einfordert, die ihm auch zusteht.

Ich bin es so leid. Dieses Leben mit seinen Stolpersteinen und Fallstricken, kaum fängt man sich, liegt man wieder am Boden.

Nein, nicht man. Man lebt eigentlich ein gutes Leben, erfüllt sich den ein oder anderen Traum, der Rest wird weiter geträumt, weil das Träumen sich für man noch lohnt.

Ich vergrub meine Träume hinterm Haus in Rodenkirchen, direkt neben der Schaukel, die dort nur deshalb noch stand, weil niemand sich fand, sie abzubauen. Ich legte sie sorgsam geschichtet in eine alte Tabakdose, deren Geruch mich an die Anwesenheit des Vaters erinnerte, verklebte die Dose mit Isolierband und grub sie ein. Für später. Wenn ich die Herrin über mein eigenes Leben sein würde. Spätestens mit 18. Vielleicht früher, sollte meine Mutter ihre ständigen Drohungen wahrmachen und sterben.

Ich bin es so leid! Ich habe alle Lust am Kämpfen längst verloren. Es hat auch nichts Spielerisches mehr. Früher habe ich meine Monster und Dämonen bekämpft. Meine Angst und die Abwesenheit jeglichen Vertrauens in eine Spezies, der ich scheinbar angehöre, zu der ich aber nie dazu gehöre. Ich ertrage ihn nicht mehr, meinen Blick auf die Welt, schwarz, schwärzer, tiefste Nacht, und der einzige Wunsch, nach Hause zu kommen, wo immer das auch liegen mag.

Ich bin so angefressen von all den kleinen und großen Abstrusitäten, von der selbstbewussten Selbstverständlichkeit, mit der die Menschen ihr Glück einfordern, etwas worauf sie keinerlei Anspruch haben, es aber trotzdem bekommen.

Ich kann auch einfach nicht mehr.

Ich kann es in die Welt hinausschreien. Dass ich einfach nicht mehr kann. Es ist keine Zauberformel, bei deren Beschwörung die gute Fee erscheint. Ungehört kommt mein Schrei als Echo zu mir zurück. Ich hätte es auch nicht anders erwartet. Das Muster wiederholt sich fortlaufend.

Wenn ich nicht mehr schreien kann, weil mir die Kraft ausgegangen ist, packt mich die Resignation. Das ist ein besserer Zustand als die Hilflosigkeit vorher. Resignation erfordert keine weiteren Schritte mehr.

Für diesen Tag habe ich mich aufgegeben. Der nächste Morgen bringt Hoffnung mit sich. Auch das ist ein sich fortlaufend wiederholendes Muster.

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